Saisonpause im Radsport ist wichtig.

Und wie mache ich sie richtig?

Eine Antwort darauf gibt der iQ athletik Radsportexperte Tobias Ohlenschläger, der gerade als sportlicher Leiter des Team BikeAid von den UCI-Weltmeisterschaften in Doha zurück ist.

Tobias Ohlenschläger bei den UCI Weltmeisterschaften in Doha

Saisonende

Die Radsportsaison neigt sich dem Ende entgegen und viele von euch haben sich eine Pause redlich verdient. Da drängt sich die Frage nach der richtigen Gestaltung der nächsten Wochen und Monate geradezu auf. Hier gibt es im Zuge der zunehmenden Professionalisierung, und der immer stärkeren wissenschaftlichen Herangehensweise im Profisport, neue und spannende Ansätze. Diese möchten wir euch im Folgenden kurz vorstellen.

Die Profis machen es vor

Die Anforderungen an die Formkurve unserer Radprofis haben sich durch die Internationalisierung des Radsports deutlich verändert. Wurde in den 70er Jahren durchaus von Oktober bis Januar überhaupt kein Rad gefahren (mit Ausnahme der Cross- und Sechstage-Bahnradfahrer), hat sich in den 90er Jahren die zweimonatige Pause von Oktober bis Dezember durchgesetzt. Der Einstieg in ein geregeltes Training für die neue Saison fiel dementsprechend etwas leichter und nahm etwas weniger Zeit in Anspruch.

Heute startet die Radsportsaison bereits Anfang Januar in Australien bzw. Südamerika und geht bis Ende Oktober mit verschiedenen Rennen in den Golfstaaten. Eine komplett radfreie Zeit und der anschließende Neuaufbau der Form würde für unsere Profis dementsprechend viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen und ist deshalb nicht praktikabel. Das rennfreie Zeitfenster ist zu kurz.

Radfahren in der Saisonpause im Herbst
Radfahren mit einer anderen Perspektive: In der Saisonpause kommt auch der mentalen Erholung eine wichtige Bedeutung zu

Aus diesem Grund wird die klassische Periodisierung zunehmend über den Haufen geworfen und es hat sich eine immer stärker individualisierte Periodisierung durchgesetzt. Jeder Fahrer bekommt einen eigenen Fahrplan für den Formaufbau - je nachdem, welche Ziele er verfolgt und wann er seinen Formhöhepunkt erreichen will.

Dieser Ansatz lässt sich mit einigen Abstrichen recht gut auf den Amateursport übertragen. Die zeitlichen Anforderungen sind dort häufig ähnlich komplex wie bei einem Radprofi. Es stehen zwar weniger Renntermine im Kalender, neben dem Sport muss aber meist noch ein beruflicher und ein familiärer Alltag (nachhaltig) gemanagt werden. Ein individualisierter Saisonplan, angepasst an die jeweilige zeitliche Verfügbarkeit - und in enger Absprache mit einem persönlichen Coach - ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Auch hilft ein guter Trainer dabei, aus der Fülle an Informationen und Daten zur Trainingsplanung, die Wichtigen von den Unwichtigen zu unterscheiden. Immer mit dem Ziel, den einzelnen Sportler besser zu machen. Im Blick sind dabei stets die individuellen Voraussetzungen und Ziele.

Neben einem engen Austausch zwischen Coach und Sportler ist das regelmäßige Überprüfen des Zell- und Ernährungsstatus mittels einer Bioelektrischen Impedanz Analyse (BIA) hilfreich, um alle relevanten Köpersysteme im Auge zu behalten - besonders den immer stärker in den Fokus rückenden Bereich der Ernährung,

Die Pause wird anders gestaltet

Perioden mit deutlicher verringerter Trainingszeit sind letztlich nicht nur für eine umfangreiche Regeneration des Körpers wichtig, sie sind ebenso für die mentale Erholung unverzichtbar - egal ob Profisportler oder Amateur! Die „Pause“ wird heute also lediglich anders ausgestaltet und je nach Saisonhöhepunkt des Sportlers in eine andere Jahreszeit „verschoben“.

Die Trainingsumfänge werden in dieser Zeit reduziert, um Platz für alternative Trainingseinheiten - z.B. Krafttraining oder Laufen - zu schaffen. Pro Woche sollten dennoch ein bis zwei kurze Schlüsseleinheiten mit hoher Intensität auf dem Rad eingestreut werden. Dies verringert den Formverlust und erleichtert den Wiedereinstieg in die kommende Saison. Denn das neue Sportjahr mit vielen interessanten Highlights kommt schneller als man denkt!