Ein Blick über den Beckenrand: Entwicklungen beim Krafttraining im Schwimmsport

Das neue Kraftkonzept des DSV

von Andreas Wagner M.A. | Mitbegründer von iQ athletik und Mitautor des Buches Krafttraining im Radsport >>>

Paradigmenwechsel beim Krafttraining für Schwimmer: Kraftausdauer war gestern. Schwimmer sollen jetzt beim Trainieren an der Hantel Muskeln aufbauen und ihre Maximalkraft steigern. Endlich! - dachte Andreas von iQ athletik und hat einen Blick auf das neue Kraftkonzept des DSV gerichtet.

Krafttraining für Schwimmer

Prolog

Mit dem Buch "Krafttraining im Radsport >>>" hat iQ athletik bereits vor einigen Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass wissenschaftliche Untersuchungen zunehmend die positiven Effekte eines intensiven und ergänzenden Krafttrainings für Ausdauersportler belegen. Ein intensives Krafttraining kann u.a.:

  • die Ausdauerleistung unterstützen,
  • die Muskeleffizienz und Bewegungsökonomie verbessern,
  • den Stütz- und Bewegungsapparat stärken, um das Verletzungs- und Verschleißrisiko zu reduzieren

Von einem Kraftausdauertraining sind hingegen für Ausdauerathleten keine Vorteile zu erwarten. Hintergrund ist, dass mit dieser Trainingsmethode ein Verbessern der Ermüdungswiderstandsfähigkeit bei höheren Belastungen angestrebt wird. Dieser Effekt wird jedoch bereits durch die Form eines intensiven Ausdauertrainings erreicht - wie es z.B. Radsportler mit einem intensiven Intervalltraining auf dem Rad betreiben.

Mehr Maximalkraft für Schwimmer

In der Praxis haben sich die oberen Erkenntnisse oftmals noch nicht durchsetzen können. Wenn Ausdauersportler den Kraftraum besuchen, betreiben sie meist ein Kraftausdauertraining. Die Methoden des Muskelaufbau- und Maximalkrafttrainings finden meist weit weniger Beachtung. Auch im Schwimmsport wird durchaus ein klassisches Kraftausdauertraining empfohlen und praktiziert. Bislang! Mit dem im Herbst 2016 veröffentlichten Kraftkonzept des Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) wird Abstand genommen vom bisher angeratenen Kraftausdauertraining an Land. Es wird die Ansicht vertreten, dass ein klassisches Kraftausdauertraining langfristig hauptsächlich die anaerob-laktazide Energiebereitstellung trainiert. Dazu wird mit Blick auf die Spezifik der Hinweis gegeben, dass dies im Wasser  deutlich  besser  zu trainieren ist (1). 

Außerdem wird angeführt, dass Kraftausdauerbelastungen zu einem zusätzlichen - neben  dem Wassertraining - Entleeren  der  Glykogenspeicher führt. Dies wiederum wirkt sich negativ auf das Wassertraining aus; Stichwort: Überlastung ist möglich. Der DSV betont, dass unter diesen Aspekten ein Hypertrophie - bzw.  Maximalkrafttraining  deutlich  besser  mit  Wassertraining kombinierbar ist. Schließlich sollen die Athleten durch das Krafttraining ein  höheres  physisches  Level erreichen im Sinne einer Maximalkraftausprägung - und nicht das Wassertraining an Land kopieren (1).

Die gesteigerte Maximalkraft soll es Schwimmern u.a. ermöglichen, bei jedem einzelnen Zyklus der Schwimmbewegung, mehr Kraft ins Wasser zu bringen. Ebenfalls soll eine höhere Frequenz möglich sein, erklärt der DSV Bundestrainer Henning Lamberts. Nicht nur für Sprinter sondern auch für Mittel- und zum Teil auch Langstreckenspezialisten sei dies ein adäquates Mittel, so der Bundestrainer weiter (2).

Eine mangelnde Ausprägung der Muskeln - und eine damit verbundene fehlende athletische Leistungsfähigkeit - wird als eine der Ursachen dafür gesehen, dass deutsche Schwimmer den Anschluss zur Weltspitze verlieren (2). Thomas Kittel vom Hessischen-Schwimmverband beklagt, dass es DSV-Lehrgänge gab, in denen einige Schwimmer nicht einmal mehr in der Lage waren, drei saubere Klimmzüge auszuführen (3). Ebenso bemängelt er, dass das Krafttraining für Schwimmer immer mehr an Geräte verlagert und mit Freizeit- und Rehasport vermischt wurde. Mit dem neuen Kraftkonzept sollen Schwimmer künftig beim Trainieren im Kraftraum hauptsächlich ein Maximal- und Muskelaufbautraining betreiben. Genutzt werden sollen dabei komplexe Hantelübungen wie Kniebeuge und Bankdrücken (1). Das Kraftkonzept soll dabei helfen, die deutschen Schwimmer wieder an die internationale Spitze heranzuführen (2). Das neue Kraftkonzept des DSV kann hier >>> heruntergeladen werden.

Die Trainingsexperten von iQ athletik bieten schon sehr lange systematische Krafttrainingsprogramme als sinnvolle Ergänzung zum Ausdauertraining an. Von einem kombinierten Planen des Ausdauer- und Krafttrainings profitieren nicht nur Schwimmer. Auch Radsportler, Läufer und Triathleten können durch ein richtig geplantes und praktiziertes Krafttraining viele positive Effekte erzielen. Mehr zu den Coaching-Möglichkeiten erfahren Sie hier >>>



Quellen:

(1) DSV, Deutscher Schwimm-Verband e.V. (Hrsg.), (2016). Das DSV Kraftkonzept 2016. Key-Points des Konzeptes – wissenschaftliche Begründungen für praktische Handlungsanweisungen. Zugriff am 24.01.2017 unter http://www.dsv.de/fileadmin/dsv/documents/schwimmen/Amtliches/161027_DSV_Kraftkonzept_2016.pdf

(2) Schwenke, S. (03.11.2016). Lambertz' neues Kraftkonzept: Mehr Muckis für die DSV-Asse. (Hrsg. schwimmsportnews). Zugriff am 04.02.2017 unter  https://swimsportnews.de/6861-lambertz-s-neues-kraftkonzept-mehr-muckis-fuer-die-dsv-asse 

(3) Hofbur, V. (2016). Neues Kraftkonzept ist nicht neu. In: Höchster Kreisblatt / Frankfurter Neue Presse, 2016, 17.12.2016, S. 26